Mohammeds Geschichten

Mein erster Tag in Deutschland

Ich kam spät abends um 23 Uhr in Kiel an. Direkt nach der Ankunft ging ich in meine Wohnung und schlief sofort ein – ich war müde und aufgeregt zugleich. Am nächsten Morgen stand ich um 7 Uhr auf, zog mich schnell an und ging nach draußen. Doch die kalte Luft traf mich heftig. Ich war die Kälte aus Marokko nicht gewohnt. Ich drehte um, ging zurück ins Haus und fragte mich: Wo bin ich? Was mache ich hier? Was soll ich jetzt tun?

Ich nahm Kontakt mit einer Freundin auf, die am selben Tag wie ich in Kiel angekommen war. Wir wohnten beide in einer Wohnung, die uns vom Kieler Stadtkloster als Unterstützung zur Verfügung gestellt wurde – dafür bin ich sehr dankbar. Wir kannten uns in der Stadt nicht aus, unsere Deutschkenntnisse waren noch sehr begrenzt. Die Situation war nicht leicht, aber sie hat uns zusammengeschweißt.

Wir stiegen in einen Bus. Mit meinem einfachen Deutsch fragte ich den Fahrer: „Gehen Sie Hauptbahnhof?“ Und er antwortete ebenfalls in einfachem Deutsch: „Fahre ich Hauptbahnhof.“

Die Sprache war zwar nicht korrekt, aber wir verstanden uns.

Von dort gingen wir zum Rathaus, um unsere Anmeldung zu machen. Obwohl ich in Marokko Deutsch gelernt hatte, merkte ich schnell: In Deutschland ist die Sprache viel schwieriger – schneller, klarer, echter.

Trotz der Schwierigkeiten gelang es mir, die Wohnsitzanmeldung zu erledigen. Auch die Leitung meiner zukünftigen Ausbildung hat mir geholfen und mir erklärt, was ich als Nächstes tun muss – eine große Hilfe in diesem Moment.

Dann wollte ich einkaufen gehen. Ich kaufte sechs Flaschen Wasser, fünf Kilo Kartoffeln und viele andere Sachen – insgesamt für etwa 120 Euro. Ich dachte: So ein günstiges Angebot finde ich nie wieder! Heute muss ich darüber lachen. Damals war ich einfach aufgeregt und unsicher.

Auf dem Heimweg stieg ich leider in den falschen Bus. Er fuhr in ein Dorf außerhalb der Stadt. Ich stieg aus, und meine Freundin und ich mussten fast zwei Stunden zu Fuß mit schweren Einkaufstüten zurücklaufen. Wir hatten Angst, noch einmal in den falschen Bus zu steigen, also trauten wir uns nicht umzusteigen. Um 22 Uhr kamen wir endlich zu Hause an – total erschöpft.

Dieser Tag war voller Herausforderungen, aber auch voller wichtiger Erfahrungen. Heute bin ich stolz darauf, dass ich diese erste, schwierige Zeit gemeistert habe. Ich danke allen, die mir damals geholfen und mir die Hand gereicht haben – besonders dem Kieler Stadtkloster, das mir den Start in Deutschland ermöglicht hat.

Mein erster Arbeitstag als Pflege-Azubi


Ich begann meinen Arbeitstag um sechs Uhr morgens auf der Station. Als ich ankam, kam der PDL auf mich zu und fragte: „Hallo, bist du Mohammed?“ Ich antwortete: „Ja.“ Zu diesem Zeitpunkt waren sie gerade bei der Übergabe. Ich bekam meine Arbeitskleidung und stellte mich dem Team vor. Alle waren sehr nett, was ein wenig von meiner Nervosität nahm. Die meisten Patienten litten an Demenz.
Mit Stift und Papier in der Hand schrieb ich die Namen der Patienten, ihre Zimmer und alle wichtigen Details auf. Ich fühlte mich wie in einem Abenteuer ohne Schatzkarte. Zum Beispiel eine Bewohnerin namens „F. …“ konnte sich nur mit Hilfe bewegen und musste zuerst aufs WC. Die Kleidung lag auf dem Tisch, und ich musste alles vorbereiten. Für diese eine Bewohnerin schrieb ich vier Seiten Notizen. Anfangs dachte ich: „Oh nein, morgen muss ich das alles alleine machen!“
Später merkte ich jedoch, dass genug Zeit zum Lernen und Üben war.
Während ich durch die Station lief, fühlte es sich manchmal wie ein Labyrinth an: Jeder Patient kam auf mich zu, und ich musste aufpassen, wohin ich ging. Gelegentlich stand ich vor Türen und wusste nicht mehr genau, wo ich hergekommen war oder wohin ich gehen sollte. Trotz des anfänglichen Chaos konnte ich darüber schmunzeln.
Ich beobachtete, wie meine Kolleginnen und Kollegen mit den Demenzpatienten kommunizierten – ruhig, freundlich und geduldig. Dabei dachte ich bei mir: „Wow, dieses Niveau werde ich vielleicht nie erreichen.“ Trotz all der Anspannung war der Tag sehr lehrreich. Jeder kleine Erfolg und jedes Lächeln der Patienten machte den Tag lohnenswert.

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